Konzertreise nach Polen

Inhalt:

Der große Bericht

Eine Ode an die Liebe

Wisst ihr noch...?

Aus dem Reiseführer

 


Der große Bericht

Am 25. Mai 2001 war es endlich soweit. Ein Auslandseinsatz des JBK stand an. Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen fuhr um 18.00 Uhr der Reisebus in Münzesheim ab in Richtung Gizycko/Lötzen in Polen. Die vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmer standen vor der Bewältigung einer eher menschenunwürdigen Busfahrt von rund 22 Stunden. Unser Busfahrer Franco machte uns mit den Zuständen polnischer Autobahnen bekannt und führte uns in die unendlichen Weiten unseres östlichen Nachbarlandes. Besuche bei McDonalds trugen zum einen zur Beruhigung des knurrenden Magens und zum anderen zur guten Laune aller Teilnehmer bei. Irgendwann, als jeder glaubte das Ende der Welt existiere doch, war das Ziel im hohen Norden Polens erreicht. Danach wurde unser vollbepackter Bus ausgeladen und um die Zimmer gekämpft. Jedoch ließ der erste Eindruck die Kinnladen vieler zu Boden sinken. Die Hotelzimmer in der polnischen Kleinstadt Gizycko glichen denen einer besseren deutschen Jugendherberge. Somit schraubten viele ihre Komfortansprüche zurück und nahmen die zwei Duschen für rund 40 Personen leise murmelnd hin.         

Unser Hotel

Das reichhaltige Abendessen machte bei manchen aber vieles wieder wett. Da in Gizycko gerade die „Lötzener Tage“ stattfanden, ging es nach dem Abendessen zu einem ehemaligen Amphitheater, der sogenannten „Feste Boyen“, um dem Konzert einer Country-Band zu lauschen. Dabei wurden beim Tanzen erste Kontakte geknüpft.

Am nächsten Tag, einem Sonntag, wurde in der Kirche zur goldenen Konfirmation bei einem deutschen Gottesdienst gespielt. Anschließend fand noch ein polnischer Gottesdienst statt, den das JBK ebenso musikalisch umrahmte. Am Nachmittag fand im Kulturhaus ein Konzert des JBK im Rahmen der „Lötzener Tage“ statt. Bei regem Besuch und mit der Unterstützung unserer polnischen Partner der Musikschule Lötzen gab das Jugendblasorchester Kraichtal sein Bestes. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Viele nahmen diese Chance wahr, die Stadt auf Schusters Rappen zu erkunden. Am Abend ließen auch einige bei einem Rockkonzert am Lötzener Strand den zweiten Tag in der Ferne ausklingen.

Die nächsten Tage standen ganz im Rahmen der Jugendbegegnung mit den Musikschülern der Stadt Gizycko. Am dritten Tag traf eine Deutsch sprechende Reiseleiterin zu uns. Sie führte uns zu den berühmten Rollbergen. Es handelt sich hier um eine Art Schleuse, einer Besonderheit des mit Kanälen durchzogenen Masuren. Hierbei werden die Schiffe aus dem Kanal auf einen Hügel gezogen um sie anschließend von diesen wieder in einen tieferen Kanal hinabzulassen.

Rollberge (Paslek)

Mittlerweile hat sich auch das Wetter geändert. Es hatte angefangen zu regnen und die Temperaturen sanken auch ins Unermessliche. Neben einem Besuch einer verfallenen Schlossruine setzten wir unsere Erkundungstour durch Masuren auf der Suche nach dem sagenumworbenen Storchendorf fort. Nach stundenlanger Irrfahrt auf polnischen Straßen fanden wir letztendlich Bartenstein an der russischen Grenze.  Hier wagte mancher Jugendliche aus Spaß einen „kleinen Grenzübertritt“.

Beim Ligrettospielen ...

Am nächsten Tag stand eine Besichtigung der Wolfsschanze auf unserem Tagesplan. Hierbei handelt es sich um die Ruinen von Hitlers Hauptquartier. Zudem verübte man hier das gescheiterte Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Für viele wurde hier deutlich, inwiefern man mit diesem Teil Polens verbunden ist. Die riesigen Bunker und viele Meter dicker Betonwände, die von Kälte, Machtbesessenheit und Grausamkeit zeugen, lösten bei allen nur Kopfschütteln aus. Natürlich darf bei einem Besuch Masurens eine Schifffahrt auf der Krutinna mit Stakerkähnen nicht fehlen. Die riesen Gaudi trübte allerdings ein Regenschauer, der auch die Temperaturen weiter sinken ließ.

Der letzte Tag stand ganz im Zeichen der eigenen Interessen. Auch ein gemeinsamer Schwimmbadbesuch stand auf dem Programm, bei dem keiner von uns allen trocken nach Hause ging. Andere zogen es lieber vor im eisig kalten Löwentinsee baden zu gehen oder auf ihm mit Booten zu fahren. Nicht vergessen werden darf man auch die Führung durch die „Feste Boyen“ in Gizycko, bei der unsere Partnergruppe als auch wir vom Jugendblasorchester aufmerksam unserem Führer zuhörten.

Jeden Abend war ein tolles Abendprogramm geboten. Es wurde zusammen mit unseren polnischen Musikschülern ein Diskoabend veranstaltet, bei dem man sich bei verschiedenen Tanzspielen näher kennenlernen konnte. Geplante Grillabende wurden wegen schlechten Wetters kurzerhand in eine Grillhütte verlegt.  An diesen Abenden wurde gemeinsam gesungen und unser Polnisch und deren Deutsch ausprobiert, bis wir uns prächtig mit Händen und Füßen verständigen konnten.

Festessen mit unseren polnischen Freunden

Aber allzu schnell kam der letzte Abend bei der die Abschiedsparty stattfand. Ein reich gedeckter Tisch war für uns ebenso eine Überraschung als auch die lustigen Pfeifen, die wir zum Abschied mit nach Hause nehmen durften. Aber auch unsere polnischen Partner mussten nicht mit leeren Händen nach Hause gehen, denn jeder von ihnen konnte sich über eine CD vom Jugendblasorchester Kraichtal als Erinnerung an diese schönen Tage mit uns zusammen freuen. Der Abschlussabend klang mit einem Lagerfeuer am Löwentinsee aus, wobei Grillspezialitäten verköstigt, Lieder gesungen und fleißig Adressen ausgetauscht wurden.

Auf der Rückfahrt wurde in Berlin ein Zwischenstopp mit Übernachtung eigelegt.

Reichstag in Berlin

Um den Bundestag zu besichtigen, vereinbarte unser Reiseleiter Herr Buss einen Besichtungstermin unter der Führung von Jörg Tauss. Er führte uns in die unendlichen Weiten des Zentrums der Macht. Am Abschluss der Tour gab es noch einen Rundblick von der Reichstagskuppel über die Metropole Berlin. Anschließend bezogen wir unser Hotel, welches in der Nähe des Kurfürstendamm gelegen ist. Den Abend verbrachte jeder nach Lust und Laune. Die einen besuchten eine Trendkneipe nach der anderen, die anderen besuchten ein Kino am neu geschaffenen Potsdamer Platz und wieder andere machten sich einfach mit den unendlichen Weiten von Berlin vertraut.

Am nächsten Morgen stärkten sich die Reiseteilnehmer zuerst einmal mit einem ausgiebigen Frühstück. Viele benutzten nach dem anstrengenden Nachtleben den starken Kaffee um wach zu werden. Nachdem die Koffer nun ein letztes Mal gepackt wurden, begann für uns der letzte Teil der Heimreise. Jedoch machten wir zuvor noch einen Abstecher zu den Resten der Berliner Mauer. Hier fand ein kleiner Fototermin bei leichtem Nieselregen statt, um die letzten Bilder auf dem Film zu verknipsen.

Endlich zu Hause angekommen, waren sich alle einig, dass die Jugendbegegnungsreise nach Polen ein voller Erfolg war.



Eine Ode an die Liebe

In Zeiten von MKS und BSE blieb auch das Jugendblasorchester Kraichtal nicht verschont. Hier brach zu Beginn unserer Polenfahrt die „ Influenza amoris“, die sogenannte Liebesseuche, aus. Darunter verstehen die Wissenschaftler die Kopulation zweier Blasmusiker des gleichen Orchesters untereinander. Das erste Anzeichen des Ausbruchs der Epidemie war die Annäherung von Männlein und Weiblein. Ähnlich dem Paarungsverhalten geschlechtsreifer Vögel wurde auf der Polenfahrt gebalzt und um die Partnerin geworben. Nach Beendigung der Inkubationszeit begann die heiße Phase. Es folgten Symptome wie Schnäbeln, Knutschen oder Liebeln. Nach einiger Zeit mussten wir feststellen, dass die Liebesseuche sich rasant ausbreitete. Natürlich zogen auch viele den regen Partnertausch vor. Jedoch endeten die Liebesbeziehungen auch so schnell wie sie angefangen hatten.

 

Diesen besonderen Artikel schrieben wir natürlich nicht, um uns über euer intimes Paarungsverhalten aufzuklären. Dank des Liebesvirus ist uns in unserer tollen gemeinsamen Zeit bewusst geworden, dass es nichts Schöneres gibt als die Liebe. Darum möchten wir euch raten:

 

Habt euch lieb!

na, na, na, Hanna und Marco ?!?



Wisst ihr noch...?

...         als Mario nach übermäßigem Alkoholkonsum fast einen ganzen Tag schlief?

 

...         als die Mannherz-Brüder im eisig kalten Seewasser Baden gingen?

 

...         als wir den ganzen Tag im Bus saßen um fünf Störche zu treffen?

 

...         als wir mit einer immens großen Festtafel von unseren polnischen Gastgebern überrascht wurden?

 

...         als wir feststellten, dass man die Duschen nicht abschließen konnte?

 

...         als Marco für Matthias kleinen Bruder gehalten wurde, obwohl dieser viel älter ist?

 

...         als Pascal sich die Fingernägel lackieren ließ?

 

...         als wir uns die entfernbaren Tatoos sonst wohin klebten (Gell, Christopher und Mario?)?

 

...         als an den letzten zwei Tagen ständig die Betten getauscht wurden?

 

...         als einige von uns nach wenigen Tagen Stammgäste im nächstgelegenen Supermarkt waren?

 

...         als Simon mit der Schere seinen Gips entfernt hat?

 

...         als es immer kälter wurde und einige um Pullis und lange Hosen betteln mussten?

 

...         als es zum Frühstück schon Bratwürste und anschließend Pfannkuchen gab?

 

...         als das Warmwasser morgens nur für drei Personen reichte?

 

...         als wir vergeblich nach dem Schuldigen suchten, der mitten im Flur kotz... spucken musste?

 

...         als wir uns erst an den außergewöhnlichen Tanzstil der Polen gewöhnen mussten?



Aus dem Reiseführer

Lötzen (Gizycko) ist eine Stadt auf Wasser gebaut, schöner geht`s nicht. Im Zentrum liegen drei kleinere Seen, dann der Luczanski-Kanal als Verbindung zwischen dem Kissain- und dem noch größeren Löwentin-See. Was die Einwohnerzahl angeht, ist Lötzen in diesem Gebiet die größte Stadt. Mehr als 32.000 Bewohner hat sonst kein anderer Ort zwischen den großen Masurischen Seen zu bieten. Ein Glücksfall allemal, weil hier wenig Industrie angesiedelt wurde. Also sauberes Wasser zum Baden, beste Angelbedingungen, Wanderwege ohne Ende und sämtliche Wassersport-Spielarten dieser Welt. Ein Touristenzentrum seit rund 140 Jahren. Eben zu schön, um nicht schon damals entdeckt worden zu sein, als die erste Eisenbahn aus Allenstein bzw. Königsberg hierher fuhr. Da interessiert es nur am Rande, dass ein Flügel der Ordensburg aus dem 14.Jahrhundert noch relativ gut erhalten ist.

 

Gizycko

  

Eher schon die Feste Boyen, auch Lötzener Festung genannt. Sie liegt gleich westlich des Stadtzentrums zwischen Lowentin- und Kissain-See, einer strategisch wichtigen Landenge. Dies war auch der Grund, weswegen Preußens Kriegsminister Hermann von Boyen seinen König Friedrich IV. endlich 1841 überzeugt hatte, hier die größte, mächtigste und imposanteste Festung ganz Masurens zu bauen. Zwischen 1847 und 1855 errichtete man Bastionen und Pulvertore, Wassergräben, Kasernen, Schießscharten, Pferdeställe, Brieftaubenstationen, Waffenmeistereien und Waffenspeicher. Die Macht in der Größe eines ganzen Dorfes und in der Form eines siebenzackigen Sterns wurde mit mächtigen Erdwällen, Mauern und Gräben unterstrichen. Noch im Ersten Weltkrieg konnten die Russen dieses Monstrum nicht einnehmen. Im Zweiten Weltkrieg stationierte hier der spätere BND-Chef Reinhard Gehlen seine Spionageabwehr. Die Festung nutzen heute zivile masurische Dienststellen und Ämter. Von außen ist das gesamte Bollwerk in gut einer Stunde zu Fuß zu umrunden und zu bewundern.